Grabstein am Hadrianswall. Copyright Oliver Bräckel

1. Ihr Fach gehört zu den sogenannten kleinen Fächern. Bitte stellen Sie uns Ihr Fach in wenigen Sätzen vor.

Die Alte Geschichte beschäftigt sich mit der griechisch-römischen Antike von etwa 800 v. Chr. bis 500 n. Chr., wobei die Übergänge zu anderen Epochen fließend sind. Wichtiger Bestandteil sind dabei großflächige politische Neuerungen und Veränderungen von der athenischen Demokratie, den griechischen Stadtstaaten, der römischen Republik bis hin zum römischen Kaiserreich. Zentrale Entwicklungen und Begriffe, die noch heute von Relevanz sind, fanden dort ihren Ursprung. Eng verbunden ist das Fach mit den zahlreichen Nachbardisziplinen, wie zum Beispiel der Klassischen Philologie, der Ägyptologie und der Archäologie.

2. Welche Rahmenbedingungen an Ihrem Fachstandort wirken sich wesentlich auf Ihre Lehr- und Forschungspraxis aus? Wie beurteilen Sie diese?

Positiv auf die Lehr- und Forschungspraxis wirkt sich die Ausstattung der Universitätsbibliothek mit ihren umfangreichen Sondersammlungen aus (vor allem Handschriften, Münzen und Papyri), da diese die Arbeit am Original ermöglichen und zudem in die Lehrveranstaltungen eingebunden werden können. Ebenfalls positiv zu werten ist die infrastrukturelle Ausstattung der Uni im Allgemeinen, die seit dem Campus-Neubau dem Lehrangebot zu Gute kommt, auch wenn anzumerken ist, dass noch keine flächendeckende gleiche Ausstattung für alle Räume erreicht ist. Nachteilig wirkt sich im Allgemeinen die finanzielle und damit personelle Ausstattung der Lehreinheit aus, die nur über sehr begrenzte Mittel im Bereich der Planstellen verfügt - ein Manko, das über Drittmittelstellen aufgefangen werden muss.

3. Was spricht Ihres Erachtens dafür oder dagegen, dass Ihr Fach in der Öffentlichkeit und innerhalb des deutschen Hochschulsystems angemessen wahrgenommen wird?

Dafür spricht sicherlich das grundsätzliche Interesse in der breiten Öffentlichkeit an verschiedenen antiken Themen, dem vor allem durch mehr oder weniger wissenschaftliche Dokumentationen und Formate der Popkultur Rechnung getragen wird. Dieses Interesse dürfte allerdings nur eher oberflächlicher Natur sein und weniger mit dem Fach an sich zu tun haben. Innerhalb des deutschen Hochschulsystems scheint die Alte Geschichte eher eine untergeordnete Rolle zu spielen, wobei sie allerdings das Schicksal mit den meisten Geisteswissenschaften teilt, die in den letzten Jahren sowohl bzgl. der Anerkennung in der Öffentlichkeit als auch im Bildungssystem an Boden verloren haben, wobei diese Entwicklung sehr bedenklich ist.

4. Haben Sie den Eindruck, dass die Vernetzung mit anderen Fächern einen Mehrwert für Ihr eigenes Fach bedeutet? Welche Kooperationsformen sind in diesem Zusammenhang für Sie interessant und mit Blick auf Ihren Fachgegenstand besonders geeignet?

Die Zusammenarbeit und Vernetzung mit anderen Fächern ist nicht nur erwünscht, sondern im Hinblick auf verschiedene Fragestellungen unseres Faches sogar essentiell. Die Klassische Philologie als sprachliche Instanz und die Archäologie mit ihren materiellen Hinterlassenschaften bieten dabei zahlreiche Möglichkeiten, die Perspektive zu erweitern. Mit beiden Fächern bestehen Kooperationen in der Lehre, was sich in gemeinsamen Studiengängen manifestiert, aber auch in der Forschung durch verschiedene Projekte gibt es Anknüpfungspunkte. Ebenfalls eine große Bereicherung ist die Öffnung des Faches für digitale Methoden im Rahmen der Digital Humanities, was sich in verschiedenen erfolgreichen Projekten niederschlägt. Als Textwissenschaft hat sich vor allem die computergestützte Analyse des antiken Textcorpus als völlig neue Herangehensweise an diesen Forschungsgegenstand herausgestellt.

5. Wie sehen Sie die Zukunft Ihres Fachs? Welche Entwicklungen und Herausforderungen zeichnen sich für Sie ab? Was wäre Ihres Erachtens für eine positive Entwicklung Ihres Fachs hilfreich?

Die Alte Geschichte ist innerhalb der Geschichtswissenschaft eine Kernepoche zum Verständnis zentraler Entwicklungen der Menschheitsgeschichte, die heute noch spürbar sind und sollte daher auch in Zukunft einen Platz im universitären Lehrbetrieb, aber auch der schulischen Bildung finden. Gerade in letzterem Bereich ist allerdings ein zunehmender Trend zu beobachten, verschiedene Inhalte aus dem Lehrplan zu streichen, einhergehend mit Stundenreduktionen für das Fach Geschichte allgemein. Dies wiederum könnte auch Auswirkungen auf den universitären Lehrbetrieb haben, da von den entscheidenden Stellen keine Notwendigkeit mehr gesehen wird, ein Fach wie die Alte Geschichte in seiner jetzigen Form beizubehalten. Diese Entwicklung sollte, gerade im Hinblick auf die derzeitigen gesellschaftlichen Veränderungen, überdacht werden, da das Studium der Geschichte einen wichtigen Beitrag zu einem tiefen Verständnis gesellschaftlicher Probleme leisten kann. Insbesondere kann die Geschichtswissenschaft (im Zeitalter von Fake News) grundlegende Methoden zum Erkennen und kritischen Beurteilen tendenziöser Quellen vermitteln. Um dies weiterhin zu gewährleisten und dauerhaft eine hochqualitative Lehre abzusichern, ist eine verbesserte personelle und materielle Ausstattung der Lehrstühle essentiell. Hinzu kommt meines Erachtens auch in Zeiten kleiner Budgets die Notwendigkeit, mehr entfristete Stellen im Mittelbau zu schaffen (oder die Vorgaben des Wissenschaftszeitgesetz zu lockern), um eine Kontinuität in Lehre und Studienorganisation zu ermöglichen. Schließlich ist auch das Fach selbst gefordert, neue Wege zu beschreiten und sich vor allem im interdisziplinärem Austausch mit anderen Fächern noch stärker zu engagieren.

Oliver Braeckel war von 2014 bis 2016 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt "eComparatio" am Lehrstuhl für Alte Geschichte an der Universität Leipzig. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Alte Geschichte setzt er seine Forschungsschwerpunkte in der Epigraphik, die späte römische Republik und Frühe Kaiserzeit, eHumanities sowie in der Erforschung zu römischen Nachbarn und der Grenzpolitik.