Sphinx-Tor in Hattusa - Hethitologie Portal Mainz (Quelle: A. Schachner (https://www.hethport.uni-wuerzburg.de))

Welche Rolle spielen kleine Fächer im Rahmen des Akademienprogramms in Mainz?

Kleine Fächer spielen im Akademienprogramm eine große Rolle - und umgekehrt spielt auch das Akademienprogramm für die kleinen Fächer eine besondere Rolle. Zahlreiche Projekte im Akademienprogramm sind im Bereich der kleinen Fächer angesiedelt - an der Mainzer Akademie beispielsweise in der Ägyptologie, der Religionswissenschaft und den historischen Grundwissenschaften und natürlich auch in den Digital Humanities - fast die Hälfte lässt sich kleinen Fächern zuordnen.

Welche Angebote bietet das Mainzer Akademienprogramm kleinen Fächern?

Das Akademienprogramm, das ein jährliches Fördervolumen von rund 70 Mio. € vorsieht, ist weltweit einzigartig und es ist das größte Forschungsprogramm für langfristige Grundlagenforschung in Deutschland. Die Mainzer Akademie ist dabei eine von acht Wissenschaftsakademien und betreut 34 Vorhaben in elf Bundesländern, davon einige, wie gesagt, im Bereich der kleinen Fächer. Die Mainzer Akademie engagiert sich zudem in der Kooperation mit der Universität Mainz am "Portal Kleine Fächer" mit der technischen Entwicklung und Bereitstellung des Portals und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Sichtbarkeit kleiner Fächer in Deutschland.

Zukünftig wollen wir unsere Aktivitäten auf dem Feld weiter ausbauen. Dies etwa durch die Beteiligung an einem internationalen Pilot-Projekt zur Entwicklung eines Modellierungskonzepts kleiner Fächer in Europa. Und auch durch übergreifende digitale Initiativen können die kleinen Fächer profitieren, wie bei NFDI4Culture, das seit diesem Jahr von der DFG geförderte Konsortium für Forschungsdaten zu materiellen und immateriellen Kulturgütern, dessen "Hosting-Institution" die Akademie ist.

Wo liegen die Besonderheiten des Akademienprogramms gegenüber anderen Förderinitiativen?

Das Akademienprogramm dient der langfristigen Grundlagenforschung in den Geisteswissenschaften, den historischen Rechtswissenschaften sowie Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften. Die zentrale Besonderheit zu anderen Förderlinien ist die Langfristigkeit der Förderung, mit Zeiträumen von 12 bis 25 Jahren. Dies ermöglicht es, Fragestellungen der geisteswissenschaftlichen Grundlagenforschung zu behandeln, von der die kleinen Fächer direkt profitieren können. Dadurch, dass es sich um Vorhaben der geisteswissenschaftlichen Grundlagenforschung handelt, spielen Digitalisierung und digitale Verfügbarmachung eine besondere Rolle. Gerade auch im Bereich der Digital Humanities können so Methoden und Entwicklungen mit einer langen Perspektive entwickelt und eingesetzt werden.

Im November 2019 hat die Akademie der Wissenschaften Mainz eine Tagung im Bereich kleine Fächer veranstaltet. Was war für Sie der Anlass, diese Tagung auszurichten, und welche Impulse nehmen Sie mit?

Die Veranstaltung "Entziffern, Erschließen, Erhalten: Akademienprogramm und kleine Fächer im deutschen Wissenschaftssystem" richtete den Blick auf das Zusammenwirken von Akademienprogramm und universitärer Forschung und Lehre im Bereich der kleinen Fächer. Ziel waren einerseits die Analyse der gegenwärtigen Situation an dieser Schnittstelle und andererseits die Entwicklung von weitergehenden Perspektiven. Wir haben mitgenommen, dass das Akademienprogramm eine hohe Dynamik und Relevanz für die kleinen Fächer aufweist und dass sich der Prozess der Vernetzung zwischen den Fächern erfreulicherweise schnell entwickelt, sicher auch mit Blick auf digitale Fragestellungen. Dies war uns zuvor in dieser Deutlichkeit nicht bewusst. Zudem hat die Tagung sicherlich gezeigt, dass die kleinen Fächer und das Akademienprogramm in der Kombination geradezu "Interdisziplinaritäts-Booster" sind.

Das Akademienprogramm wurde jüngst vom Wissenschaftsrat begutachtet. Dabei kamen auch die kleinen Fächer explizit zur Sprache. Welche Erkenntnisse und Perspektiven schließen sich für Sie daran an?

Der Wissenschaftsrat benennt in seiner Stellungnahme einzelne Akademievorhaben als "globale Referenzpunkte". Ein besonders schönes Beispiel ist dabei das Hethitologie-Portal (https://www.hethport.uni-wuerzburg.de/HPM/index.php), das weltweit ein unverzichtbarer Referenzpunkt der Forschung in diesem Fach geworden ist. Gerade in einer kleinen Fachcommunity kann ein einzelnes langfristiges Forschungsvorhaben einen hohen Impact auf die ganze Fachcommunity haben und dabei als "Kompetenzzentrum", beispielsweise für den digitalen Bereich fungieren.

Den Aussagen des Wissenschaftsrates können wir uns nur anschließen und sehen gerade in der weiteren Förderung im Bereich der Digitalisierung (nicht nur) für die kleinen Fächer ein zentrales Aufgabengebiet unserer Akademie. Daran wollen wir weiterarbeiten.

Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Haupteingang zum Plenarsaal (Quelle: Walter Vorjohann)

Als außeruniversitäre Forschungseinrichtung und Gelehrtengesellschaft verfolgt die Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz die Pflege der Wissenschaften und der Literatur sowie die Bewahrung und Förderung der Kultur. Auch die Digitalisierung von Forschungsdaten und -ergebnissen, die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und internationaler Kooperationen sind wichtige Ziele der Akademie. Die Besonderheiten des Akademienprogramms, durch das auch viele kleine Fächer unterstützt werden, liegen in der Förderung von Grundlagenforschung und den lang angelegten Förderzeiträumen. Alle acht Wissenschaftsakademien in Deutschland sind in der Akademienunion zusammengeschlossen. (https://www.adwmainz.de/struktur-und-geschichte.html)