1. Ihr Fach gehört zu den sogenannten kleinen Fächern. Bitte stellen Sie uns Ihr Fach in wenigen Sätzen vor.

Akustik ist eines der ältesten Wissenschaftsgebiete der Welt. Im Fokus stehen hierbei alle Aspekte des Schalls, und zwar seine Entstehung, Erzeugung, Ausbreitung, Detektion und auch seine Wahrnehmung durch das Gehör - und ebenso die Aufnahme, Speicherung und Wiedergabe von Schall. Heute ist Akustik ein bedeutender Bestandteil moderner technologischer Entwicklung geworden, vor allem durch wachsende Anforderungen an den allgemeinen Komfort und an eine leisere Umwelt im Sinne des Gesundheitsschutzes insbesondere vor dem Hintergrund fortschreitender Urbanisierung. Für viele Geschäftsfelder hat die Akustik eine zentrale Bedeutung - z.B. für den Mobilfunk oder die Unterhaltungselektronik. Auch in der Kfz-Branche und in der Bauwirtschaft hat sie in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. In der Akustik herrscht somit ein fachübergreifender Dialog u. a. zwischen Elektrotechnik, Physik, Maschinenbau, Architektur, Musik, Werkstoffentwicklung, Medizin, Psychologie bis hin zum Umweltschutz.

2. Welche Rahmenbedingungen an Ihrem Fachstandort wirken sich wesentlich auf Ihre Lehr- und Forschungspraxis aus? Wie beurteilen Sie diese?

Da sich die Akustik mit universellen Fragen befasst, die nicht an einen bestimmten Standort gebunden sind, haben die lokalen Gegebenheiten nur wenige direkte Auswirkungen auf die Ansiedelung eines Akustik-Lehrstuhls. Einen deutlich größeren Einfluss hat die fachliche Ausrichtung des jeweiligen Instituts. Lehrstühle für Akustik sind bundesweit in die unter­schiedlichsten Fachbereiche bzw. Fakultäten eingebunden, z. B. Bauingenieurwesen (Stuttgart), Elektrotechnik (Aachen, Bochum, Cottbus, Dresden, Hannover, Ilmenau, München), Maschinenbau (Braunschweig, Darmstadt, Hamburg), Medizin (Magdeburg, Oldenburg), Chemie- und Bioingenieurwesen (Erlangen), Verkehrs- und Maschinensysteme (Berlin). Dadurch konnten sich an den verschiedenen Standorten sehr unterschiedliche schwerpunktmäßige Ausprägungen etablieren, die in ihrer Gesamtschau den Vorteil einer fachlich breiten Aufstellung des Fachs Akustik bieten. Diese große Bandbreite zeigt sich anhand der Bezeichnungen der folgenden Standorte an den Hochschulen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Aachen (RWTH): Institut für Hörtechnik und Akustik
  • Berlin (TU): Institut für Strömungsmechanik und Technische Akustik
  • Berlin (TU): Institut für Sprache und Kommunikation
  • Bochum (Ruhr-Univ.): Institut für Kommunikationsakustik
  • Braunschweig (TU): Institut für Akustik
  • Hannover (LU): Institut für Kommunikationstechnik
  • Cottbus (BTU): Fachgebiet Technische Akustik
  • Darmstadt (TU): Fachgebiet Systemzuverlässigkeit, Adaptronik und Maschinenakustik
  • Dresden (TU): Professur für Akustik und Haptik
  • Erlangen (FAU): Lehrstuhl für Prozessmaschinen und Anlagentechnik
  • Erlangen (FAU): Lehrstuhl für Multimediakommunikation und Signalverarbeitung
  • Hamburg (TU): Institut für Modellierung und Berechnung
  • Ilmenau (TU): Institut für Medientechnik
  • Magdeburg (O.v.G.-Univ.): Abteilung für Experimentelle Audiologie
  • München (TU): Professur für Audio-Signalverarbeitung
  • Oldenburg (C.v.O.-Univ.): School of Medicine and Health Sciences
  • Stuttgart (Univ.): Institut für Akustik und Bauphysik

3. Was spricht Ihres Erachtens dafür oder dagegen, dass Ihr Fach in der Öffentlichkeit und innerhalb des deutschen Hochschulsystems angemessen wahrgenommen wird?

Forschungsprojekte im Bereich der Akustik zeigen eine große Vielfalt an aktuellen und zukünftigen Herausforderungen, beispielsweise die Klanggestaltung von E-Kfz oder Klimageräten, neue akustische Metamaterialien, moderne Hörgeräte, automatische Spracherkennung, virtuelle akustische Umgebungen. Auch aus der Perspektive der Studierenden wird Akustik als relativ attraktives Fach wahrgenommen, da viele von ihnen ein Interesse an Umweltthemen, an Musik, an guter Schallwiedergabe oder an medizinischen Aspekten haben. Allerdings hat das Fach Akustik in der deutschen Hochschullandschaft insgesamt keinen leichten Stand, da der Bedarf an neuer Forschung im Vergleich zu vermeintlich moderneren, zeitgemäßeren Forschungszweigen häufig nicht erkannt oder sogar bestritten wird. So werden traditionsreiche Lehrstühle für Akustik nach einer Emeritierung seitens der Hochschulen oft nicht weitergeführt, obwohl diese mit Know-How, Labortechnik und Kontakten zu Förderern bestens ausgestattet sind und somit als florierende Forschungsstätten wahrgenommen und fortgeführt werden sollten.

4. Haben Sie den Eindruck, dass die Vernetzung mit anderen Fächern einen Mehrwert für Ihr eigenes Fach bedeutet? Welche Kooperationsformen sind in diesem Zusammenhang für Sie interessant und mit Blick auf Ihren Fachgegenstand besonders geeignet?

Die Vernetzung verschiedener Fachgebiete war schon immer ein essenzieller Bestandteil des Fachgebiets Akustik, was schon an der Ausrichtung der Lehrstühle in Frage 2 zu erkennen ist. So erscheint es geradezu selbstverständlich, dass Forschungsprojekte, Schwerpunktprogramme, Sonderforschungsbereiche etc. in interdisziplinärer Kooperation angelegt sind. Auch die fachlichen Tagungen und Zeitschriften für Akustik etc. bieten Plattformen, auf denen Forschende in der Akustik ihre Ergebnisse aus verschiedenen Disziplinen zusammentragen und somit ein fruchtbarer Dialog zwischen Naturwissenschaft, Technik, Psychologie, Medizin und Politik entsteht.

5. Wie sehen Sie die Zukunft Ihres Fachs? Welche Entwicklungen und Herausforderungen zeichnen sich für Sie ab? Was wäre Ihres Erachtens für eine positive Entwicklung Ihres Fachs hilfreich?

Da der Hörsinn des Menschen dauerhaft besteht und die damit verbundenen Fragestellungen und Probleme sich immer von Neuem an die jeweiligen Trends der Zeit anpassen, wird die Akustik auch in Zukunft wichtige und herausfordernde Antworten liefern und immer ein gefragtes Gebiet sein. Gemessen an der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedeutung ist es erforderlich, dass das Fach Akustik an den Universitäten und Hochschulen weiterhin einen breiten Stellenwert einnimmt, um hochqualifizierte Nachwuchskräfte mit fundierten Fachkenntnissen auszubilden. Somit ist es der Deutschen Gesellschaft für Akustik (DEGA) ein wichtiges Anliegen, die Vermittlung zentraler Grundlagen der Akustik an den Hochschulen zu erhalten und weiter auszubauen, zumal das Interesse seitens der Studierenden immer schon groß war und weiterhin groß sein wird.

Die Deutsche Gesellschaft für Akustik (DEGA) ist eine gemeinnützige technisch-wissenschaft­liche Fachgesellschaft mit etwa 2.000 persönlichen Mitgliedern, 77 fördernden Firmen und 14 Fachausschüssen/-gruppen. Sie fördert den wissenschaftlichen Austausch durch die Veranstal­tung von Tagungen, Workshops und Fortbildungsveranstaltungen und engagiert sich u. a. im Hochschulbereich, in Fragen des Lärmschutzes und in der akustischen Normung. Weitere Informationen.