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Was ist ein Kleines Fach?

Definitionsmöglichkeiten


Der Begriff "Kleines Fach" kommt aus der bundesdeutschen Hochschulforschung und Hochschulpolitik. Hervorgegangen ist er aus der Entwicklung der "Massenuniversität" in den 1960er Jahren. Die wachsenden Studierendenzahlen führten zum Ausbau der stark frequentierten Hochschulfächer. Bei den bundesweiten Neugründungen von Universitäten erhielten vorrangig die nunmehr großen Fächer neue Standorte. Die Unterscheidung in "Große" und "Kleine Fächer" ist also ein Ergebnis der universitätsgeschichtlich erst jüngst veränderten Hochschullandschaft.

Vor diesem Hintergrund ist die Bezeichnung "klein" eine quantitative Beschreibung bezogen auf die strukturelle Ausstattung und die Zahl der Universitätsstandorte. Betrachtet man jedoch die Gegenstandsbereiche und die lokale, nationale wie auch internationale Bedeutung der Kleinen Fächer, wären viele – wie etwa die Islamwissenschaft oder die Mineralogie – eher als "groß" aufzufassen. Die Bezeichnung "Kleines Fach" wird daher oft kritisiert, zumal wissenschaftliche wie auch gesellschaftlich-politische Konjunkturen immer wieder dynamisch in den Bestand von Einzelfächern eingreifen. Kleine Fächer können signifikant wachsen, große werden zu kleinen Fächern. Deshalb gibt es zahlreiche Ansätze, den Begriff so zu definieren, dass er der tatsächlichen wissenschaftlichen Spezifik und Dynamik der Einzelfächer gerecht wird. 

Dokumente zum Thema "Kleine Fächer" an deutschen Universitäten  


Definition der Potsdamer Arbeitsstelle

Die Potsdamer Arbeitsstelle schafft mit dem Projekt der Kartierung einen Überblick über die Bestandsituation der Kleinen Fächer in Deutschland. Um eine Auswahl von Kleinen Fächern treffen zu können, hat die Arbeitsstelle gemeinsam mit ihrem wissenschaftlichen Beirat eine eigene instrumentelle Definition entwickelt.
Zur ausführlichen Definition Kleines Fach der Potsdamer Arbeitsstelle     


Spezifika der kleinen Fächer  (Auswahl aus den Diskussionsthesen des Expertenworkshops der Arbeitsstelle Kleine Fächer am 07.04.2011)   

     1. Strukturelle und inhaltliche Zielkonflikte in der Verbund-Forschung

Die strukturelle Kleinheit der Fächer führt dazu, dass die Grundlagenforschung und das Ausfüllen einer thematischen Vielfalt von wenigen vereinzelten Forschern geleistet werden müssen. Angesichts ihrer geringen personellen Ressourcen mit überwiegend 1-Professur-Standorten stehen die kleinen Fächer innerhalb von Verbünden in einem strukturellen und inhaltlichen Zielkonflikt. Der Einsatz von zeitlichen und personellen Ressourcen für das Engagement in Verbünden fördert zwar die lokale Fachpräsenz und den aktiven Beitrag zur universitären Profilbildung, gleichzeitig fehlen diese Ressourcen aber für die Aufgaben in Lehre und Verwaltung. Für die individuelle Forschungsleistung und fachliche Profilbildung im internationalen Kontext müssen u.U. auch inhaltlich Abstriche in Kauf genommen werden.

2. Strukturelle Risikosituation: Personalausstattung und multiple Verantwortlichkeiten

Kleine Fächer sind in existenzieller Hinsicht sehr viel stärker vom Erfolg von Verbundvorhaben abhängig als große Fächer. Sie dürfen sich, so eine  Workshopteilnehmerin „niemals irren, wo sie mitmachen“. 
Mit mehrheitlich nur einer Professur ausgestattet, liegen auch die multiplen Verantwortlichkeiten in Forschung, Lehre und Administration auf nur wenigen Schultern. Dadurch haben die kleinen Fächer ein erhöhtes Risiko lokal abgebaut zu werden. Fehlberufungen, schwere Erkrankungen mit Dauerbeurlaubungen oder längerfristige Ausfälle des einzigen Stelleninhabers aus wissenschaftsinternen Gründen (z.B. Gastprofessuren im Ausland) können den laufenden Lehr- und Verwaltungsbetrieb eines kleinen Fachs schneller belasten und den Standort in Frage stellen lassen, als dies bei größeren Fächern mit mehreren Professuren der Fall ist. Die kleinen Fächer können beim Ausfall des einzigen Professors in den lokalen Verbünden dann nicht mehr eine adäquate Präsenz zeigen.

3. Proportionale Nachteile in der Fachvertretung und der Leistungsevaluation

Durch das Prinzip des Quantitativen in der Leistungsevaluation (Studierendenzahlen, Drittmittel) sind die strukturell kleinen Standorte der Fächer proportional zu den großen Fächern vielerorts im Nachteil und müssen ihre Existenz ständig gegenüber den Leitungsebenen und Kollegen größerer Fächer legitimieren. 

Im Unterschied zu den großen Fachgebieten müssen Professoren kleiner Fächer das gesamte Wissensgebiet ihres Fachs am Standort vertreten und sind daher in den Spezialisierungen nicht so ausdifferenziert wie die großen Fächer. Das fällt in den Verbünden besonders dann ins Gewicht, wenn Fächer, die auf Europa und westliche Kulturen ausgerichtet sind, mit Fächern kooperieren, deren Forschungsgegenstand außerhalb Europas liegt. Große „europäistische“ Fächer können sich mit dem Gewicht vieler Spezialisierungen von mehreren Personen einbringen, während z.B. die Sinologen und Arabisten als alleinige Professoren an einer Universität große Forschungs- und Lehrgebiete vertreten müssen.

Zu den vollständigen Ergebnisberichten der Expertenworkshops






     
Ein Projekt im Auftrag der Hochschulrektorenkonferenz,
gefördert vom BMBF (2007-2012) sowie dem MBWWK des Landes Rheinland-Pfalz (ab 09/2012),
ausgeführt von den Universitäten Potsdam (2007-2012) und Mainz (ab 09/2012).